zum Begleitband

Als Sergij Bulgakov seine "Philosophie der Wirtschaft" bereits Ende 1911 dem deutschen Verlag „Mohr Siebeck“ zur Übersetzung und Veröffentlichung anbot, erhielt er von Paul Siebeck eine abschlägige Antwort: Das Buch sei zu umfangreich und für den deutschen Markt kaum von Interesse (siehe Textgeschichte, S. 295-297 im Anhang des Hauptbandes). Mehr als hundert Jahre später drängt sich eine Neubeurteilung des Werkes auf, weil Sergij Bulgakov sich in der Folge zu einem der bedeutendsten russischen theologischen und philosophischen Denker des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion wird er auch in Russland vermehrt neu ediert und rezipiert und vor allem im französisch- und englischsprachigen Raum übersetzt und diskutiert.

Offen blieb für uns Herausgeberinnen die Frage, wie das gegenwärtige deutschsprachige Publikum und vor allem diejenigen Akademikerinnen und Akademiker auf das Werk reagieren, die sich nicht mit russischen Kulturwissenschaften beschäftigen. Bulgakov selbst hat sein deutsches Zielpublikum recht allgemein als „Theologen, Philosophen, Nationalökonomen und Ver- treter der Socialwissenschaft in ihren Hauptrichtungen, und sogar einige aus dem gebildeten Publikum“ beschrieben (ebd., S. 296). Deshalb haben wir im Jahr 2012 zum hundertjährigen Jubiläum des Buches einige Personen aus der deutschsprachigen Forschungsgemeinschaft eingeladen, das Manuskript der Übersetzung zu lesen und es miteinander in einem Kolloquium am der Universität Freiburg Schweiz zu erörtern. In der Folge haben die Mitwirkenden aufgrund der lebhaften Diskussionen die neun Kapitel von Bulgakovs Philosophie der Wirtschaft mit Essays kommentiert. Die Beiträge zeigen exemplarisch, wie anregend und fruchtbar die Auseinandersetzung mit Bulgakovs Werk sein kann. Auf diese Weise möchte der Begleitband die interdisziplinäre Rezeption von Bulgakovs Werk fördern.

Die einzelnen Beiträge zum Begleitband stehen hier im pdf-Format zur Verfügung:

Vorwort

Natalija Makaševa: Sergij Bulgakovs „Philosophie der Wirtschaft“. Historischer Kontext und Aktualität

1. Hans G. Nutzinger: Sergij Bulgakovs Auseinandersetzung mit dem ökonomischen Materialismus. Zum ersten Kapitel von Sergij Bulgakovs Philosophie der Wirtschaft

2. Matthias Mayer: Zur Schelling-Rezeption von Sergij Bulgakov. Zum ersten und zweiten Kapitel von Sergij Bulgakovs Philosophie der Wirtschaft

3. Karen Horn: Bulgakovs Blick auf Konsum und Produktion. Zum dritten Kapitel von Sergij Bulgakovs Philosophie der Wirtschaft

4. Anne Reichold: Was heißt hier „Wirtschaft“? Spannungen zwischen menschlicher Gestaltungskraft und metaphysischer Hierarchie in Bulgakovs (Heils-)ökonomie. Zum vierten Kapitel von von Sergij Bulgakovs Philosophie der Wirtschaft

5. Lisa Herzog: Die Natur der Wissenschaft. Zum fünften Kapitel von Sergij Bulgakovs Philosophie der Wirtschaft

6. Guido Vergauwen: Wirtschaft als Synthese von Freiheit und Notwendigkeit. Zum sechsten Kapitel von Sergij Bulgakovs Philosophie der Wirtschaft

7. Josephien H.J. van Kessel: Das Verhältnis von Wissenschaft und Politik bei Sergij Bulgakov. Zum siebenten Kapitel von Sergij Bulgakovs Philosophie der Wirtschaft

8. Gerhard Schwarz: Die Wirtschaft „als Joch der Not, als Enge des Lebens“. Zum achten Kapitel von Sergij Bulgakovs Philosophie der Wirtschaft

9. Alexander Lorch: Bulgakovs Auseinandersetzung mit dem ökonomischen Materialismus und wirtschaftsethische Anmerkungen zur „Philosophie der Wirtschaft“. Zum neunten Kapitel von Sergij Bulgakovs Philosophie der Wirtschaft .

Forschungsstelle Sergij Bulgakov - Av. Europe 20 - 1700 Freiburg
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